Währungs-Update
EUR/CHF: Vorschau für das 3. Quartal 2017

In den vergangenen drei Monaten wurde die Frage der Normalisierung der Geldpolitik in Europa zunehmend thematisiert.

Nachdem der Kurs des Währungspaars EUR/CHF im 1. Quartal 2017 weitestgehend in der engen Spanne zwischen 1,0630 und 1,0750 CHF feststeckte, wachte er im 2. Quartal auf, konnte sich deutlich  erholen und stieg über das Hoch von EUR/CHF 1,1050, das er zuletzt vor dem Brexit-Entscheid erreicht hatte. Auslöser hierfür waren das Nachlassen der politischen Unsicherheitsfaktoren in Europa und die zunehmende Diskussion über eine potenzielle geldpolitische Normalisierung in Europa.

Vom 1. Quartal 2017 bis quasi Ende April profitierte der Schweizer Franken vor allem von der erhöhten Nachfrage nervöser europäischer Anleger nach Fluchtwährungen. Speziell vor der französischen Präsidentschaftswahl wollten sich Marktteilnehmer vor möglichen Kurseinbrüchen des Euro absichern. In diesem Zeitraum bewegte sich der Kurs des Währungspaars EUR/CHF fast ausschließlich innerhalb der engen Spanne von EUR/CHF 1,0630 und 1,0750. Tiefere Kurse wurden von wiederholten, kräftigen Devisenmarktinterventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verhindert und somit der Aufwärtsdruck des Franken eingedämmt. Ein Unterschreiten der psychologischen Schwelle von EUR/CHF 1,0600 konnte dadurch verhindert werden.

Als am 21. April die Ergebnisse des ersten Durchgangs der französischen Präsidentschaftswahlen bekanntgegeben wurden, aus denen hervorging, dass es der EU-freundliche Kandidat Emmanuel Macron in die Stichwahl geschafft hatte und somit die Gefahr gebannt war, dass sich im zweiten Wahldurchgang zwei EU-skeptische (am äußeren rechten und linken Ende des Parteienspektrum angesiedelte) Kandidaten gegenüberstehen, lösten die Anleger umgehend Long-Positionen im Schweizer Franken zugunsten des Euro auf. Nach einem ersten Anstieg von EUR/CHF 1,0680 auf 1,0850 konnte der EUR/CHF weiter zulegen. Als am 8. Mai offiziell Macron als neuer französischer Präsident bekanntgegeben wurde, wurde der Bereich von EUR/CHF 1,1000 erstmals seit geraumer Zeit überwunden.

Nach einem Anstieg des Währungspaars EUR/CHF um 2,6% innerhalb von weniger als drei Wochen, kam es zu einigen charttechnischen Korrekturen, doch hielten diese nicht sehr lange an. Denn das Nachlassen der politischen Sorgen und die durchaus zufriedenstellende wirtschaftliche Dynamik in Europa rückten bei den Händlern verstärkt in den Vordergrund. Zeichnet sich eine Normalisierung der Geldpolitik der EZB ab?

Eine erste Anpassung des offiziellen EZB-Kommuniqués im Juni (es wurde auf keine weiteren Zinssenkungen verwiesen) wurde von den Anlegern als erster Schritt hin zu einer bevorstehenden Drosselung der massiven geldpolitischen Lockerungen der Zentralbank gewertet. Dieses Sentiment verhärtete sich als Mario Draghi, während einer seiner öffentlichen Auftritte, eine positive Einschätzung zur wirtschaftlichen Situation der Eurozone kundtat und erstmals öffentlich andeutete, dass an den geldpolitischen Parametern ein wenig geschraubt werden könnte.

Diese Stellungnahme des EZB-Präsidenten wurde von den Marktteilnehmern als Hinweis auf eine Zins-Trendwende gewertet, was Ende des 2. und Anfang des 3. Quartals einen Anstieg von EUR/CHF in den Bereich von 1,1000-1,1100 zur Folge hatte.

Womit ist Ende des 3. Quartals zu rechnen? Aktiv werden oder abwarten? Was macht die EZB?

EUR/CHF startete das 3. Quartal in luftigen Höhen: Der Kurs des Währungspaars gelangte auf die zuletzt vor dem Brexit-Entscheid erreichte Marke von 1,1060, da zunehmend auf eine baldige Änderung der Geldpolitik spekuliert wurde. Nun stellt sich die Frage, ob dieses Kursnieveau auch nachhaltig gehalten werden kann oder der Anstieg zu schnell erfolgte und es zu einer Korrektur kommen wird. Laut Einschätzung der SNB ist der CHF weiterhin überbewertet und somit ist noch einiges an Kurspotenzial vorhanden.

Neben dem positiven Ausgang der französischen Wahlen erzielten Ende Juni die europäischen Gläubiger und die IWF-Vertreter eine Einigung, sodass eine weitere Tranche des Rettungspakets von 86 Mrd. Euro für Griechenland freigegeben werden konnte; zudem stimmte Brüssel zuletzt dem Rettungsplan des italienischen Staats für die italienischen Banken zu – alles Faktoren, die ebenfalls für Stabilität in der Eurozone sorgten. Da sich die dunklen politischen Wolken, die über der Eurozone hingen, vorübergehend verzogen haben, sollte das Interesse der Marktteilnehmer am Schweizer Franken nachlassen. Vor diesem Hintergrund dürften die Zeiten, in denen sich EUR/CHF im Bereich von EUR/CHF 1,0600-1,0700 bewegte, vorüber sein und der Kurs dürfte sich in der neuen Preisspanne von 1,08-1,12 CHF einpendeln.

Da in nächster Zeit keine mit großen Risiken behafteten Ereignisse in Europa anstehen (wobei man die für 2018 angesetzten italienischen Wahlen im Auge behalten sollte) und sich die schweizerischen Zentralbanker verpflichtet haben, die Negativzins-Politik noch längere Zeit beizubehalten, dürfte die EZB der Hauptimpulsgeber für Kursschwankungen des Währungspaars EUR/CHF sein.

Das voraussichtliche Ende der quantitativen Lockerungsmaßnahmen (QE) der EZB im Dezember 2017 und die gelpolitische Agenda für 2018 werden in den nächsten Monaten weiterhin großes Gewicht haben. Falls die EZB die Inhalte ihres Kommuniqués im Juli anpassen sollte, könnten im September, wenn auch die aktuellen Wirtschaftsprognosen halten, wichtige neue Beschlüsse gefällt werden. Als wichtigstes risikobehaftetes Ereignis des 3. Quartals dürften die Anleger in ihrem Kalender wohl diese geldpolitische Sitzung der EZB markiert haben.

Starke Fundamentaldaten, großes Vertrauen der europäischen Wirtschaftsteilnehmer und die Tatsache, dass die politischen Sorgen weltweit nachgelassen haben, machen den Weg für geldpolitische Anpassungen frei. Allerdings könnte die niedrige Inflationsrate, die vor allem auf die geringen Lohn- und Gehaltsanstiege zurückzuführen ist, die Zentralbanker dazu ermutigen, vorsichtig zu bleiben und die Stimulierungsmaßnahmen beizubehalten. Einige EZB-Vertreter haben bereits ihr Unbehagen über die jüngsten Anstiege des Euro Ende Juni zum Ausdruck gebracht und sie als „Gefahr für die Erholung“ bezeichnet. Auch eine möglich Korrektur an den Aktienmärkten sollte man im Auge behalten, da Fluchtwährungen wiederum gesucht sein könnten. Sollte die EZB enttäuschen gibt es auch noch Spielraum für ein etwaiges Enttäuschungspotenzial, welches zu einem stärkeren CHF führen kann.

Aktiv werden oder abwarten? Laut der EZB könnten sogar Kurse um EUR/CHF 1,20 wieder im Bereich des Möglichen sein. Das könnte dann die „neue Normalität“ werden.

Schlussfolgerung: Die drei wichtigsten Impulsgeber für einen Auf- oder Abwärtstrend des Schweizer Frankens im 3. Quartal

AufwärtstrendAbwärtstrend
Die EZB scheint es nicht eilig zu haben, die Geldpolitik zu ändern. Geldpolitisch expansive Signale zur Beruhigung des Devisenhandels.EZB bereitet den Markt auf geldpolitische Änderungen vor. Mögliche Drosselung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen steht im Raum.
Die italienischen Parlamentswahlen machten in Europa Schlagzeilen. Sorgen um eventuelle vorgezogene Wahlen Ende 2017. Eine erhöhte internationale Nachfrage und gestiegene Rohstoffpreise treiben weltweit die Inflationsprognosen in die Höhe. Negativzinsen der SNB belasten den Franken.
Brexit-Verhandlungen verlaufen angespannt und lösen erneut Volatilität und Unsicherheit aus. Verhandlungsstau könnte zu einer Lose-Lose-Einigung führen. Ein erneuter Wahlsieg Angela Merkels könnte den Weg für eine weiterreichendere und noch stärkere Integration und Kooperation in Europa freimachen. 

 

12-Monats-Prognose für EUR / CHF (Reuters Devisenumfrage von Juli 2017)

Wichtige Termine in Q3

 

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