Währungs-Update
EUR/CHF: Aussichten für das 3. Quartal 2018

Überblick 3. Quartal 2018: Eine konfliktbeladene Welt und ein europäischer Koloss auf tönernen Füßen

Das Ende des Sommers naht und der Schweizer Franken war gut positioniert, um die Performance des Euro bereits das zweite Quartal in Folge um über 1% zu schlagen, da das Marktumfeld sich insgesamt verschlechterte, ließ die Nachfrage der Anleger nach Fluchtwährungen erneut rasant ansteigen.

Nach einem problematischen Frühjahr (EUR/CHF: -3,7% im Mai), in dem durch die Bildung einer populistischen Regierungskoalition in Italien neue politische Turbulenzen in Europa auftraten, verlief auch der Sommer nicht gerade ruhig für den Kurs des Währungspaares EUR/CHF, da der Handelsstreit zwischen China und den USA im Juli sich weiter zuspitzte und sich die Anzahl politischer Spannungen in Europa vervielfachte. 

Man war zwar davon ausgegangen, Europa habe die politischen Wirren im letzten Jahr hinter sich gelassen, doch eine Reihe von Ereignissen – wie die erbitterte Migrationsdebatte in Deutschland, die anhaltende Kritik italienischer Vertreter an den von der Europäischen Union (EU) festgelegten Sparmaßnahmen oder die Sorge um Ansteckungsgefahr bezüglich der Krise in der Türkei – haben das Vertrauen der internationalen Anleger in die politische Stabilität der Region erschüttert und den Kurs des Euro in der Folge kräftig in Mitleidenschaft gezogen.

Im August kam es an den europäischen Börsen erneut zu massiven Einbrüchen, als man mit einem Mal die wirtschaftlichen Probleme in der Türkei und die rasante Abwertung der Türkischen Lira als mögliche Auslöser für eine Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Performance Europas ansah. Der Schweizer Franken profitierte von der Panikwelle, die die europäischen Anleger erfasste, und konnte gegenüber dem Euro innerhalb von nur vier Handelstagen über 2% zulegen.

Nachdem EUR/CHF in diesem Jahr bereits mehrfach den Stützungskurs von 1,15 CHF getestet hatte, konnte der Kurs des Währungspaars im August schließlich diese Schwelle durchbrechen: Er fiel unter die Marke von 1,1250 CHF und damit auf ein 1-Jahrestief. Auch wenn die Spannungen Ende August nachließen und die Anleger nach und nach wieder Interesse an riskanteren Anlagen bekamen, bewegte sich der Kurs nur zögerlich wieder auf die Marke von 1,15 CHF zu, da die europäischen Anleger eine vorsichtige Haltung einnahmen und die schweizerischen Zentralbanker keinerlei Hinweise darauf gaben, den stärkeren Kurs des Schweizer Franken als problematisch zu betrachten.

Quartalszahlen: Stand 24. August 2018. Quelle: Reuters, Western Union Business Solutions
 

Womit ist im 4. Quartal 2018 zu rechnen? Geldpolitische Prognosen weisen auf starken Franken hin und Italien ist Dorn im Auge

Hat der Schweizer Franken im Sommer bereits sein Hoch erreicht oder hat er noch Potenzial für weitere Kursanstiege in petto? Das dürften die wichtigsten Fragen sein, auf die Anleger Antworten suchen werden.

Wir sind fälschlicherweise davon ausgegangen, die schweizerische Währung sei gegen rasante Kursanstiege immun, da die Zentralbanker deren Kursentwicklung mit Argusaugen verfolgen und einen zu kräftigen Anstieg verhindern würden, um eine zu starke Belastung der exportlastigen Wirtschaft zu vermeiden. Wie die jüngste Volatilität des Franken jedoch gezeigt hat, ist die Realität eine andere. Tatsächlich hat sich die Schweizerische Nationalbank (SNB), trotz der jüngsten massiven Frankenkäufe durch verunsicherte Anleger, erstaunlich ruhig verhalten und hat nicht ihr übliches Arsenal mobilisiert, d.h. Aussagen zum „überbewerteten Schweizer Franken“ getätigt oder mit Devisenmarktinterventionen gedroht, um einen zu starken Aufwärtstrend einzudämmen. Heißt das möglicherweise, dass sich die SNB mit der Vorstellung von einem stärkeren Franken etwas mehr angefreundet hat? Das lässt sich schwer beantworten.

Natürlich haben die besseren Konjunkturdaten in der Schweiz, die sich deutlich in der jüngsten Beschleunigung der Inflationsrate, die auf ein 8-Jahreshoch stieg und die Schwelle von 1,0% (1,2% im Juli) überschritten hat, niedergeschlagen haben, den Zentralbankern mehr Spielraum gegeben, die Bewertung des Franken mit weniger durchgreifenden Maßnahmen zu verfolgen. Allerdings wäre das Selbstvertrauen zu groß, wenn sie davon ausgehen würden, die schweizerische Wirtschaft sei nun solide genug, um mit der stark überbewerteten Währung fertigzuwerden. Um derartige Schlussfolgerungen ziehen und daraufhin die entsprechenden Anpassungen der Geldpolitik vornehmen zu können, müssten die wirtschaftlichen Fortschritte schon über einen längeren Zeitraum anhalten.

Angesichts der vorsichtigen Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB), die bisher noch nicht signalisiert hat, vor Sommer 2019 den Leitzins erhöhen zu wollen, dürfte auch ihr Schweizer Pendant aller Wahrscheinlichkeit nach diesen Kurs verfolgen und ihre Leitzinsen auf dem historisch niedrigsten Stand belassen. Allerdings werden wir die Prognosen der SNB und eventuelle spezifische Stellungnahmen zur Bewertung des Schweizer Franken im Rahmen der letzten beiden geldpolitischen Sitzungen dieses Jahres (im September und Dezember) aufmerksam verfolgen. Es ist klar, dass neutrale Aussagen der SNB-Vertreter einem bestehenden Aufwärtstrend des Franken Rückenwind verleihen könnten, vor allem wenn die EZB bei ihrer vorsichtigen, abwartenden Haltung bleiben sollte.

Allen geldpolitischen Argumenten zum Trotz könnte die schweizerische Währung dennoch die bei den Anlegern beliebteste Währung bleiben, falls sich die Lage im weltweiten Handel weiter verschlechtert und sie von weiteren Handelsdifferenzen und/oder politischen Konflikten belastet wird. Das gilt vor allem, wenn diese Risiken direkt mit Europa verbunden sind. Eine Popularitätswelle von populistischen und nationalistischen Anti-Establishment-Parteien in immer mehr EU-Ländern oder ein weiter zunehmendes wirtschaftliches Ungleichgewicht zwischen den Mitgliedsstaaten ist fruchtbarer Boden für eine Zersplitterung und Spaltungen innerhalb des Wirtschaftsraums.

In nur einem Jahr ist aus dem friedlichen Europa wieder ein Raum geworden, der sich Litzen als „angespannte Region“ verdient. Das Epizentrum der Sorgen liegt dabei in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, in Italien, das nun von einer nie dagewesenen Regierungskoalition bestehend aus der rechtspopulistischen Lega Nordund der Anti-Establishment-Partei Movimento 5 Stelle (Fünf-Sterne-Bewegung) besteht. Die hohen Kosten einer Steuerreform in dem ohnehin bereits hoch verschuldeten Land (130% des BIP) oder die „Trittbrettfahrer“-Provokationen einiger italienischer Regierungsvertreter gegenüber europäischen Richtlinien, geben Anlass zu der Befürchtung, in Europa könne eine neue Krise entflammen ... was die Aussichten für den Schweizer Franken als Fluchtwährung natürlich verbessern würde.

Die schwedischen Parlamentswahlen Anfang September könnten eine weitere Bestandsaufnahme werden bzw. die Stabilität der Region erneut auf den Prüfstand stellen.
 

Schlussfolgerungen: Die drei wichtigsten Impulsgeber für Kursanstiege/-rückgänge des CHF im 4. Quartal 2018

KursanstiegKursrückgang
Unruhe in Europa: Ansteckungsgefahr durch die Türkei und/oder italienische ZersplitterungBessere wirtschaftliche Aussichten für Europa und stärkerer politischer Zusam­menhalt zwischen den EU-Mitgliedsstaaten 
Weltweite Risikoscheu: Handelskrieg und/oder geopolitische KonflikteAbnahme von durch Protektionismus ausgelösten Risiken. Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und China
Neutrale Haltung/weniger durchgreifende Maßnahmen bei der Verfolgung der Kursentwicklung des Schweizer Franken durch die SNBHinweise auf expansive Ausrichtung der Geldpolitik der SNB, die mit dem starken Frankenkurs nicht wirklich einverstanden ist 

 

12-Monats-Prognose für EUR/CHF (Reuters Umfrage – August 2018)​

Daten: Stand 8. August 2018. Quelle: Reuters, Western Union Business Solutions

 

Wichtige Daten für EUR/CHF im 4. Quartal 2018:

 

Dieses Währungs-Update wird uns zur Verfügung gestellt von Western Union Business Solutions.
Autor: Gerhard Scharinger, Head of Markets and Corporate Hedging

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