Die stille Revolution im Organigramm: Das zweite Ich im Unternehmen
Was, wenn KI nicht Ihre Mitarbeitenden ersetzt, sondern Sie selbst verdoppelt?

Digitaler Zwilling
KI-generierter Inhalt

Kalender voll, Entscheidungen dringend, die To-do-Liste wächst schneller als sie abgearbeitet werden kann. Der größte Engpass in Unternehmen ist heute oft nicht Kapital oder Personal, sondern Zeit.

Während viele KI-Debatten von Automatisierung und Stellenabbau geprägt sind, zeichnet sich eine andere Entwicklung ab: digitale Wissenszwillinge. Digitale Zwillinge werden bereits für Gebäude, Maschinen oder Infrastrukturen eingesetzt. Künftig könnten sie auch das wertvollste Gut eines Unternehmens abbilden, wie das Wissen und die Erfahrung seiner Mitarbeitenden.

Vom digitalen Zwilling zum digitalen Ich

Ein digitaler Wissenszwilling ist weder ein Avatar noch ein Ersatz für den Menschen. Er bildet nicht die Person selbst ab, sondern deren berufliche Expertise, Arbeitsweise und Entscheidungslogik. Grundlage dafür sind dokumentiertes Wissen, etablierte Prozesse, Methoden sowie Erfahrungen aus Projekten, Meetings, E-Mails und Entscheidungen.

Dabei geht seine Funktion weit über die eines klassischen Chatbots hinaus. Ein digitaler Wissenszwilling beantwortet nicht nur Fragen, sondern bewahrt Erfahrungswissen, dokumentiert Entscheidungswege und macht Expertise im gesamten Unternehmen nutzbar. So entsteht ein digitales Unternehmensgedächtnis, welches Wissen sichert und weitergibt, unabhängig von einzelnen Personen oder deren Verfügbarkeit.

KI lernt nicht nur Inhalte, sondern auch Muster der Entscheidungsfindung. So entsteht Schritt für Schritt ein digitales Abbild von Expertise“, sagt Elaheh Momeni, CEO von eMentalist.

Das Potenzial ist enorm: Standardanfragen werden automatisiert beantwortet, neue Mitarbeitende erhalten sofort Zugriff auf relevantes Erfahrungswissen und kritisches Projekt-Know-how bleibt langfristig erhalten. Gerade in Unternehmen, deren Erfolg stark von einzelnen Schlüsselpersonen abhängt, können Wissenszwillinge dazu beitragen, Wissen dauerhaft zu sichern und verfügbar zu machen.

Was wie Zukunftsmusik klingt, wurde bereits erprobt. Die UBS nutzte schon 2018 einen digitalen Zwilling ihres Chefökonomen Daniel Kalt für Kundeninteraktionen.

In Zukunft wird jede Expertin und jeder Experte einen digitalen Wissensassistenten besitzen, der individuelles Wissen weitergibt, Aufgaben vorbereitet und rund um die Uhr verfügbar ist. Verantwortung und Urteilsvermögen bleiben jedoch beim Menschen“, sagt Momeni.

Wo die Grenzen liegen und warum das die eigentliche Chance ist

Ein digitales Ich basiert auf Erfahrungen der Vergangenheit. Es entwickelt kein eigenes Urteilsvermögen, übernimmt keine Verantwortung und ersetzt kein persönliches Vertrauen. Was ihm jedoch fehlt, ist die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, zwischenmenschliche Signale zu deuten oder in völlig neuen Situationen intuitive Entscheidungen zu treffen. Die Grenze zwischen Mensch und digitalem Zwilling verläuft dort, wo Urteilsvermögen, Vertrauen und Empathie gefragt sind. Führung, persönliche Beziehungen und Verantwortung lassen sich nicht digitalisieren.

Der Wettbewerbsvorteil der Zukunft wird nicht darin liegen, die meisten Talente zu beschäftigen, sondern deren Wissen dauerhaft verfügbar und nutzbar zu machen“, so Momeni.

Gerade angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel könnten digitale Wissenszwillinge zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden. Die zentrale Frage der Zukunft wird nicht sein, wie viele Mitarbeitende ein Unternehmen hat, sondern wie oft sich deren Wissen digital vervielfältigen lässt.

 

Autor: Elaheh Momeni

Dr. Elaheh Momeni zählt zu den führenden Expertinnen für Künstliche Intelligenz und Data Science in Österreich. Nach ihrer Promotion in Informatik an der Universität Wien gründete sie 2016 das Unternehmen eMentalist und verbindet seither wissenschaftliche Forschung mit der erfolgreichen Umsetzung von KI-Innovationen in der Praxis. Als CEO und Head of Research Labs bei eMentalist sowie als Senior Lecturer an der FH Technikum Wien entwickelt und leitet sie Projekte in den Bereichen Generative AI, Machine Learning, Predictive Analytics und Natural Language Processing. Besonders wichtig ist ihr dabei der Human-in-the-Loop-Ansatz: KI soll Menschen unterstützen, nicht ersetzen, und stets durch menschliche Expertise, Verantwortung und Kontrolle ergänzt werden. Ihr Fokus liegt auf der Entwicklung intelligenter Systeme, die Unternehmen dabei unterstützen, Daten in messbaren Geschäftswert zu verwandeln.


Foto © eMentalist/ Advicum Conuslting

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