Digitalisierung - Wege zum Erfolg

24.03.2020
Das Team der Themenplattform „Digitalisierung“ (v. l. n. r): Mag. Dr. Matthias Firgo; Mag. Julia Bock-Schappelwein; Mag. Dr. Agnes Kügler, MSc; Dr. Werner Hölzl
Das Team der Themenplattform „Digitalisierung“ (v. l. n. r): Mag. Dr. Matthias Firgo; Mag. Julia Bock-Schappelwein; Mag. Dr. Agnes Kügler, MSc; Dr. Werner Hölzl (Bild: WIFO)

Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen und die mit neuen Technologien einhergehenden Geschäftsmodelle bieten neue Möglichkeiten für Unternehmen, ihre Produktion effizienter und kostengünstiger zu gestalten und in neuen Geschäftsfeldern tätig zu werden – auch für KMU.

Text: Julia Bock-Schappelwein, Matthias Firgo, Werner Hölzl, Agnes Kügler

Für kleine Unternehmen, die oft als Motor für Strukturwandel und Beschäftigungswachstum gesehen werden, bieten neue Technologien, sofern sie diese nutzen können, viele Potenziale, um wettbewerbsfähig zu bleiben und auch internationale Märkte zu bestreiten. Kostengünstige Rechenleistung, vorkonfigurierte Software, Netzwerk-Hardware, Cloud-Verarbeitungslösungen, Unternehmens-Informationssoftware und E-Commerce-Software sind sowohl für kleine als auch grosse Unternehmen ohne grosse Entwicklungskosten leicht verfügbar.

Klein, aber flexibel

Grössenvorteile könnten durch flexiblere Formen der Produktion und Dienstleistungserbringung verringert werden, indem die Kosten für die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten gesenkt und eine bessere Kontrolle und Steuerung der Wertschöpfungskette ermöglicht werden.

Tatsächlich zeigen viele Studien einen positiven Einfluss von IKT-Kapital und Breitbandinfrastruktur auf die Produktivität, auch in kleineren Unternehmen. Onlinehandel und Online-Zahlungssysteme bieten den Unternehmen, die diese Systeme nutzen, generell zwar keinen wesentlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber grossen Mitbewerbern, aber sie könnten einen ausreichenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen bieten, die diese Systeme nicht nutzen.


IT-Affinität aufbauen

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass kleinere Unternehmen mit der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle und -praktiken an die Anforderungen und Möglichkeiten der digitalen Welt oft zu kämpfen haben. Insbesondere in traditionelleren Branchen hinken KMU bei der Einführung digitaler Technologien und neuer Geschäftsmodelle hinterher. Ihnen fehlt es oft an der nötigen IT-Affinität (Know-that, Know-what, Know-how).

Der Zugang zu hochwertiger Breitbandinfrastruktur reicht nämlich nicht aus, um wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Es braucht auch die entsprechenden Kenntnisse der Unternehmen, um die auf Breitbandinternet aufbauenden Technologien für Innovationen und Produktivitäts­steigerungen nutzen zu können.

Auch Bedenken wegen des Datenschutzes und der Datensicherheit zählen zu den Hemmschuhen des digitalen Wandels. Zudem sind oft Investitionen nötig, um die notwendige Technik anzuschaffen. Kleinere Unternehmen zögern häufig, diese zu tätigen, wenn sie Unsicherheit über den tatsächlichen Nutzen daraus haben.

Allerdings hätten kleine Unternehmen den Vorteil, dass ihre organisatorischen Strukturen im Vergleich zu grösseren Unternehmen eher organisch und informell sind, d. h. ihre Prozesse sind viel flexibler und leichter an geänderte Rahmenbedingungen anzupassen. Ein weiterer Aspekt der Flexibilität ist die hohe Unternehmensdynamik durch Schliessungen und Neugründungen, die zu den grössten Treibern des technologischen Wandels zählt.

Massnahmenpaket nötig

In Zukunft gilt es die Vorteile, die die fortschreitende Digitalisierung auch für kleine Unternehmen und Neueinsteiger bietet, besser zu nutzen. Dazu bedarf es eines Massnahmenpakets mit dem Ziel, die Hindernisse für die Einführung digitaler Technologien und Geschäftswerkzeuge bei kleinen Unternehmen zu beseitigen:

  • Flächendeckendes Breitbandinternet: Ein hochwertiges Breitbandinternet bildet zunehmend eine Grundvoraussetzung für den unternehmerischen Erfolg. Aus ökonomischer Perspektive ist die öffentliche Förderung des Breitbandausbaus im ländlichen Raum sinnvoll, um die Entstehung bzw. Verstärkung dauerhafter Standortnachteile von Unternehmen im ländlichen Raum zu verhindern. Allerdings nur dort, wo der Markt keine entsprechende Infrastruktur bereitstellt.
  • Integrative Regionalpolitik: Um ein weiteres Auseinanderklaffen regionaler Entwicklungstrends zu verhindern, ist neben einer entsprechenden Breitbandinfrastrukturpolitik insbesondere eine integrative regionale Strukturpolitik vonnöten, welche die spezifischen Stärken und Schwächen der regionalen Wirtschaft ­berücksichtigt und gerade ausserhalb der Ballungszentren die IT-Kompetenzen der Unternehmen und Arbeitskräfte fördert.
  • Investitionen in Awareness-Programme und Upskilling: Niederschwellige Programme zur Bewusstseinsbildung sind insbesondere für kleine Unternehmen in traditionellen Branchen von grosser Bedeutung. Ebenso wichtig, um das Potenzial des digitalen Wandels auszuschöpfen, sind Investitionen in IT-Kompetenzen von Unternehmen und Arbeit­nehmerInnen (Upskilling).
  • Kombination Fachqualifikationen & IT-Kompetenzen: Die Kombination von Fachqualifikationen und IT-Kompetenzen ist in der Erstausbildung und in der beruflichen Weiterbildung zu forcieren.
  • Weiterbildung & Existenzsicherung: Es braucht ein leistungsfähiges System der Aus- und Weiterbildung zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, ergänzt um entsprechend ausgerichtete Instrumente zur Existenzsicherung während der Weiterbildung. Die vorhandenen Instrumente zur existenzgesicherten Weiterbildung sind entsprechend anzupassen.
 

Die Themenplattform „Digitalisierung“ bündelt die Arbeiten des WIFO zum Thema und fördert damit den Ideenaustausch. Durch die Einbeziehung der ökonomischen, räumlichen, wettbewerblichen, sozialen und ökologischen Bedeutung von Digitalisierung in die wirtschaftswissenschaftliche Analyse werden die Aus- und Wechselwirkungen des digitalen Fortschritts in Richtung Markt, Staat und Gesellschaft aufgezeigt und verständlich gemacht. Weitere Informationen unter wifo.ac.at.

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