Klasse statt Masse
Stadt Wien legt "Visitor Economy Strategy" vor

07.02.2020
Wien Panorama
Ein quantitatives Nächtigungsziel gibt es im Vergleich zu früheren Strategien nicht mehr. (Foto: mRGB/www.adobestock.com)

Unter Federführung des WienTourismus legt die Stadt Wien erstmals ihre „Visitor Economy Strategie“ bis 2025 vor.

Unter dem Motto „Shaping Vienna“ definiert sie das Phänomen Reisen und dessen Wirkungen auf die Destination völlig neu und zielt auf eine nachhaltige Entwicklung und ein Ausbalancieren der Bedürfnisse von Einheimischen und BesucherInnen ab. Im Vordergrund steht der Mehrwert für die Stadt, ihre BewohnerInnen und Unternehmen. Bis 2025 soll (ausgehend von 2018) folgendes erreicht werden:

  • Beitrag des Tourismus zum Wiener BIP steigt von 4 auf 6 Mrd. Euro
  • Nächtigungsumsatz der Beherbergungsbetriebe steigt von 900 Mio. auf 1,5 Mrd. Euro
  • Zufriedenheit der Gäste bleibt unverändert hoch: 9/10 würden Wien weiterempfehlen
  • Tourismusgesinnung bleibt auf Top-Niveau: 9/10 WienerInnen stehen hinter Tourismus
  • Anzahl Wiener Tourismus-Betriebe mit Umweltzeichen verdoppelt sich von 112 auf 224
  • Anteil mit Bahn (21 %) und per Auto (26 %) Anreisender dreht sich um

Der Tourismus hat sich in wenigen Jahrzehnten zu einem tragenden Wirtschaftssektor entwickelt. In Wien steht er für jährlich 4 Mrd. Euro an Wertschöpfung, 90.000 Arbeitsplätze, Top-Infrastruktur und ein Kunst- und Kulturleben, das international seinesgleichen sucht. Seit 1990 sind die Ankünfte in Wiener Beherbergungsbetrieben um über 150 % auf 7,5 Millionen BesucherInnen 2018 angewachsen.

Der Grundgedanke

Der Grundgedanke der Visitor Economy geht über den herkömmlichen Tourismusbegriff weit hinaus: Er öffnet den Blick für die Vielfalt der Gäste und der zahlreichen „WienerInnen auf Zeit“, die die Stadt für die Dauer ihres Aufenthalts zu ihrem Lebensmittelpunkt machen. BesucherInnen (Visitors) umfassen alle Gäste, die hier leben, arbeiten oder studieren, einkaufen oder flanieren, Kultur- oder Freizeitangebote nutzen, Geschäfte machen oder Tagungen besuchen. Dabei bringen sie ökonomische Effekte, einen Aussenblick und eine Vielfalt an Einflüssen, Ideen und Kompetenzen ein. Damit leisten sie einen aktiven Beitrag zur Lebens-, Aufenthalts- und Erlebnisqualität in der Stadt – zum Wohle von BewohnerInnen, anderen BesucherInnen und Unternehmen Wiens.

Im Marketing gilt es jedenfalls, nach wie vor Publikum anzusprechen, das sich für Wiens Premium-Angebote interessiert und sich mit seinem Verhalten gut in die Stadt einfügt. Ein quantitatives Nächtigungsziel gibt es im Vergleich zu früheren Strategien nicht mehr, wenngleich der Erfolg Wiens von einer stabilen Nachfrage(-entwicklung) abhängig ist. In drei Handlungsfeldern, nämlich „Place Making & Place Marketing“, „Meeting Destination Vienna“ sowie „Smart Solutions“, will der WienTourismus zusammen mit der Stadt Wien und allen PartnerInnen im Ökosystem der Visitor Economy konkrete Schritte zur Zielerreichung setzen.

Sechs Ziel-Indikatoren

Strategische Ziele verlangen Messbarkeit und Benchmark. Die Erreichung der Ziele der Visitor Economy Strategie 2025 lässt sich anhand von sechs Ziel-Indikatoren (Key Performance Indicators – KPI) ablesen:

  1. Direkte und indirekte Wertschöpfungseffekte des Tourismus in Wien sollen bis 2025 von rund 4 Mrd. Euro (2018) um 50 % auf 6 Mrd. Euro steigen. Datenquelle: TSA Tourismus-Satellitenkonto – Statistik Austria/WIFO
  2. Der Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Beherbergungsbetriebe als Kernbranche der Visitor Economy soll bis 2025 von knapp 900 Mio. Euro (2018) um zwei Drittel auf 1,5 Mrd. Euro steigen. Datenquelle: MA 23 Dezernat Statistik/MA 6/Berechnungen des WienTourismus
  3. Die Erlebnisqualität der Gäste bleibt hoch: Aktuell würden 9 von 10 BesucherInnen Wien als Destination weiterempfehlen. Dieser hohe Anteil soll gehalten werden. Datenquelle: Gästebefragung (Freizeitgäste) im Rahmen von T-MONA (Tourismus-Monitor Austria)
  4. Gleichzeitig sind 9 von 10 WienerInnen davon überzeugt, dass Tourismus gut für Wien ist. Diese beachtliche Tourismusgesinnung der Bevölkerung ist zentraler Benchmark und soll trotz quantitativer Zunahme der BesucherInnen gehalten werden. Datenquelle: Jährliche repräsentative Befragung von rd. 3.600 WienerInnen seitens WienTourismus, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Manova
  5. Die Zahl der mit dem Österreichischen Umweltzeichen als nachhaltig zertifizierten Wiener Betriebe der Tourismus- und Freizeitwirtschaft verdoppelt sich von 112 (2018) auf 224 Betriebe. Datenquelle: Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
  6. Anreise mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln speziell aus Nahmärkten: Bis 2025 soll sich das Verhältnis von Personen, die mit dem Auto (derzeit 26 %) bzw. mit der Bahn (21 %) anreisen, umkehren. Datenquelle: Gästebefragung (Freizeitgäste) im Rahmen von T-MONA (Tourismus-Monitor Austria).

 

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