Mehr Frauen im Top-Management

01.08.2019
Foto von einer Frau, die in einem Geschäftsmeeting redet
Mehr als 70 % der befragten Firmen vetreten die Ansicht, dass gemischte Führungsteams den Erfolg des eigenen Unternehmens positiv beeinflussen. (Foto: iStock by Getty/Fizkes)

In der Schweiz sind in KMU 20,6 % der Geschäftsleitung mit Frauen besetzt – im Vorjahr waren es noch 19 %. Vergleichbare Ergebnisse zeigt auch der Global Board Diversity Tracker 2018 für Grossunternehmen.

22,3 % der Verwaltungsratssitze in der Schweiz werden von Frauen gehalten. Mit Blick auf die 100 grössten Arbeitgeber der Schweiz untermauert auch der schillingreport diesen Trend, erstmals übersteigt der Frauenanteil in Verwaltungsräten die 20 %-Marke.

Während rund 20 % der Schweizer KMU einen Frauenanteil von 41 bis 100 % in Top-Management Positionen hat, sind es bei 9 % der Firmen 1 bis 5 %. Bei 32 % der KMU sitzt keine einzige Frau im Top-Management. Dies zeigt eine aktuelle und repräsentative Befragung von rund 710 nicht-börsenkotierten Schweizer Unternehmen durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Die meisten dieser Unternehmen sind entweder im Dienstleistungs- oder im Industriebereich tätig (jeweils 31 %), erzielen einen Umsatz zwischen 10 und 30 Millionen SFR (65 %) und beschäftigen bis zu 50 Mitarbeitende (37 %).

Probleme der Gleichstellung bleiben bestehen

„Das traditionelle Rollenverständnis der Frau, die zu Hause bleibt – um sich um Kinder und Haushalt zu kümmern – während der Mann zur Arbeit geht, ist in der Schweiz weiterhin verbreitet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Männer immer noch höhere Einkommen erzielen und auch deren Einkommenspotenzial mittel- wie langfristig höher ist. Hinzu kommen hohe Kosten für die Kinderbetreuung und die immer noch begrenzte Infrastruktur für Familien mit schulpflichtigen Kindern, insbesondere im Zusammenhang mit durchaus ausbaufähigen öffentlichen Schulprogrammen in vielen Gemeinden. Das sind nur einige Faktoren, weshalb es immer noch so schwierig ist, eine Gleichstellung der Geschlechter in Top-Management-Positionen zu erreichen,“ kommentiert Robin Errico, Chief Risk Officer und verantwortlich für Diversity & Inclusiveness bei EY in der Schweiz.

Gleichzeitig bekundet fast jedes zweite Unternehmen Mühe bei der Rekrutierung geeigneter weiblicher Fachkräfte. Mit Blick auf die unterschiedlichen Branchen sind vor allem die Bereiche Bau/Energie, LifeSciences und Industrie betroffen; gemessen am Umsatz sind es mehrheitlich grössere KMU mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Franken. „Einer der Gründe ist, dass solche Firmen im Werben um Fachkräfte kreativer und flexibler sein müssen als bekanntere, börsenkodierte Unternehmen. Andererseits sehen wir in vielen kleineren Familienunternehmen, dass Töchter und Enkelinnen schon von Haus aus an die Verantwortung im Betrieb herangeführt werden und so schnell wichtige Rollen übernehmen», sagt Errico.

Vorteile von gemischten Teams

Mehr als 70 % der befragten Firmen vetreten die Ansicht, dass gemischte Führungsteams den Erfolg des eigenen Unternehmens positiv beeinflussen. Entsprechend setzt jedes fünfte Schweizer KMU konkrete Massnahmen ein, um ein Gleichgewicht von Frauen und Männern im Management zu erreichen. Dazu gehören insbesondere flexible Arbeitszeitmodelle, Elternzeit respektive Vater- und Mutterschaftsurlaub, das Anbieten von Home-Office oder Trainings für Führungskräfte zur Sensibilisierung der Thematik „Gleichstellung“.

Mehr Frauen in Westschweizer und Tessiner Firmen

Im innerschweizerischen Vergleich zeigen sich aus den Umfrageergebnissen regionale Unterschiede: Während der Frauenanteil an der Spitze von Unternehmen in der Romandie 27 % und im Tessin 24 % beträgt, sind es in der Deutschschweiz zwischen 20 % (Ostschweiz) und 15 % in Zürich/Schaffhausen. Überraschenderweise haben Regionen mit einem höheren Frauenanteil im Top-Management grössere Schwierigkeiten, Frauen für diese Positionen zu finden. Diesen Widerspruch kann man am ehesten auf das höhere Bewusstsein der Thematik in der Westschweiz und im Tessin zurückführen. In der Westschweiz zeigt sich zudem der Einfluss Frankreichs, wo deutlich mehr Frauen beschäftigt sind als in der Schweiz. Allgemein betrachtet, ist es zudem überraschend, dass immer mehr Frauen in der Industrie/Produktion tätig sind.

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