Österreichs Außenhandel braucht mehr Vielfalt

Österreichische Exporte gehen über den Zeitraum 2013–2023 durchschnittlich in 217 Länder, bestehen aus etwas weniger als 4.800 Produkten und decken durchschnittlich 171.935 (13,8 %) der potenziell möglichen Handelsströme ab.

Eine aktuelle Untersuchung des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) kommt zu einem klaren Ergebnis: Österreichs Außenhandel sollte stärker diversifiziert werden.

Neue Absatzmärkte, mehr Innovation und vor allem eine stärkere Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen könnten den internationalen Handel langfristig stabiler und widerstandsfähiger machen. Die Studie basiert auf einer umfassenden Analyse von Unternehmens und Produktdaten im österreichischen Außenhandel, die vom Austrian Microdata Centre zur Verfügung gestellt wurden. Dabei zeigt sich ein strukturelles Muster, das die österreichische Exportwirtschaft seit Jahren prägt.

Große Unternehmen dominieren den Außenhandel

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die starke Konzentration des Außenhandels auf wenige große Unternehmen. Die größten zehn Prozent dieser Unternehmen verantworten nämlich rund neunzig Prozent des Außenhandels. Sie sind besonders produktiv, exportieren hochwertige Produkte und sind in der Regel breiter international aufgestellt als kleinere Betriebe, die hingegen auch deutlich seltener dauerhaft im internationalen Handel aktiv sind.

Grund dafür ist, dass es häufig an Ressourcen, Erfahrung oder Unterstützung beim Zugang zu internationalen Märkten fehlt. Gleichzeitig verfügen gerade viele KMUs über innovative Produkte oder Spezialisierungen, die auch international erfolgreich sein könnten.

Viel ungenutztes Exportpotenzial

Die Studie sieht daher erhebliches Potenzial in einer stärkeren Internationalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen. Neben Investitionen in Forschung und Entwicklung, gezielte Exportförderung sowie Unterstützung bei Zertifizierungen oder Finanzierung, können auch Exportberatung, Know how Aufbau und besseres Risikomanagement den Markteintritt erleichtern.

Laut dem wiiw exportieren Unternehmen derzeit auch nur kurzfristig in einzelne Märkte, obwohl langfristige Handelsbeziehungen eigentlich entscheidend für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg wären.

Was stärkt Österreichs Resilienz?

Österreichs Außenhandel wächst vor allem durch intensivere Handelsbeziehungen mit bestehenden Partnern. Neue Produkte, neue Märkte oder neue exportierende Unternehmen spielen bisher eine vergleichsweise geringe Rolle.

Doch gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen wird Diversifizierung immer wichtiger. Einseitige Abhängigkeiten können Risiken für Lieferketten und Produktionsprozesse darstellen. Als Beispiel werden strategische Rohstoffe wie Seltene Erden genannt, bei denen derzeit eine starke globale Abhängigkeit von China besteht.

Internationale Netzwerke als Schlüssel zur Diversifizierung

Vor diesem Hintergrund plädiert die Studie für eine breitere Aufstellung des Außenhandels: stärkere Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen, die Förderung von Innovation sowie die Erschließung neuer Märkte. Dazu braucht es gezielte Maßnahmen, etwa in den Bereichen

  • Investition,
  • Forschung,
  • Exportförderung,
  • Finanzierung,
  • Marktzugang,
  • Know how Aufbau, und
  • Absicherung und Diversifizierung von Lieferketten

Österreichs Außenhandel ist stark, aber nicht divers genug. Mehr Vielfalt ist kein Zusatz, sondern eine Voraussetzung für langfristige Stabilität.

 

Quelle: Stehrer, R. (2026). Struktur und Dynamik von Firmen und Produkten im österreichischen Außenhandel (wiiw Research Report in German Language No. 34). The Vienna Institute for International Economic Studies (wiiw).

 

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