Top Speakers Lounge "Challenge digitale Infrastruktur"
Ist-Situation und Herausforderungen in Schweiz / Österreich / Liechtenstein

Stein Peeters, Markus Baldinger und Johannes Gungl
Montag, 17.09.2018 - 16:30 - 20:00
Wien, WKÖ Sky Lounge

RTR-Chef Gungl: „Beim Endausbau von 5G wird auf jedem zweiten Gebäude eine Antenne installiert sein.“ Das Mobilfunknetz der fünften Generation eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Welche Chancen die anstehende Auktion der neuen Mobilfunkfrequenzen bietet und wie man unsere Region zum 5G-Pionier macht, diskutierte bei der Top Speakers Lounge der Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein eine Expertenrunde. Am Podium der WKÖ Sky Lounge: Der Autor der Studie „Mobilfunkkommunikation als Schlüsselfaktor der Digitalisierung“ Stein Peeters (EY-Parthenon), Markus Baldinger (Mitglied Geschäftsleitung bei Pöttinger Landmaschinen) und Johannes Gungl (Geschäftsführer der Rundfunk & Telekom Regulierung RTR).

5G, das schnelle Mobilfunknetz der Zukunft, hat das Potential, die Wirtschaft zu revolutionieren. Zehntausende neue Arbeitsplätze und völlig neue Anwendungsmöglichkeiten werden durch diesen Technologiesprung entstehen. Der Grad der Digitalisierung wird damit zunehmend zum kritischen Wettbewerbsfaktor für eine Nation. Doch welche Weichen müssen heute gestellt werden, um die gebotenen Chancen von morgen in vollem Ausmaß nützen zu können? Bei der Top Speakers Lounge der Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein skizzierten Experten unter der Moderation von Lukas Sustala (Deputy Director & Project Leader, Agenda Austria) mögliche Szenarien. Ein wesentlicher Faktor auf den Weg zu 5G ist die geplante Versteigerung der 5G-Frequenzen. Johannes Gungl, Geschäftsführer, Rundfunk und Telekom-Regulierungs-GmbH (RTR): „Die RTR wird diese Woche die erste Ausschreibung veröffentlichen. Wir planen die erste Versteigerung im Februar 2019. 2020 folgt die nächste. Bei den Teilnehmern werden nicht nur die bekannten Player, sondern auch neue Namen dabei sein. Später, wenn Frequenzen mit nur wenigen hundert Meter Reichweite aktuell werden, wäre es denkbar, dass nicht nur Mobilfunker, sondern auch Industrieunternehmen Frequenzen erwerben können. Ich denke an Automobilzulieferer wie Magna oder z.B. die Voest. Diese könnten ein 5G Netz in ihrer Fabrik aufbauen und selbst steuern.“

Für die Ballungsräume bedeutet das einen massiven Anstieg der Antennenzahl. „Wir müssen das Mobilnetz verdichten. Diese aktuellen Antennen sind sehr groß. In Zukunft werden wir auf jeder zweiten Straßenlaterne oder auf jedem zweiten Gebäude eine Antenne installieren müssen. Die Zellverdichtung, dass an jedem zweiten Haus ein Kastl hängt, sehe ich nicht vor 2023. Die öffentliche Hand muss Gebäude dafür zur Verfügung stellen. Die Bundesregierung hat dazu eine 5G-Strategie verabschiedet. Stichwort Breitbandmilliarde. Mit einer Milliarde kommt man da nicht rasend weit. Ein flächendeckender Glasfaserausbau kostet ca. 6 bis 8 Milliarden Euro. Zudem wird aktuell ein neues Telekommunikationsgesetz geschaffen, das uns erlaubt, Richtsätze für Entschädigungen für auf Gebäuden errichteten Antennen festzulegen. So können wir den günstigen Rollout von 5G schaffen. Was fehlt, sind internationale Firmen, die hier Glasfaser ausbauen. Ein staatliches Glasfasernetz sehe ich nicht. Das kann auch in die Hose gehen. Ich erinnere noch an die teuren alten Telefonanschlüsse…“

2030 fahren 49 Prozent der Traktoren autonom

Stein Peeters, Strategy, EY-Parthenon (Studienautor: „Mobilfunkkommunikation als Schlüsselfaktor der Digitalisierung“). „Mit der Einführung von 5G beginnt eine neue Technologie-Ära mit einfacherer, schnellerer Datenübermittlung und -verarbeitung und somit kürzeren Reaktionszeiten. Es gibt hier aber einen hohen Bedarf bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Was sind die neuen Anwendungen, die neuen Geschäftsideen? In der Schweiz geht es nicht nur um Technik, sondern um die Beteiligung aller. So werden z.B. neue Wearables entwickelt etwa in der Pflege, damit Patienten länger zu Hause bleiben können. Vor 15 Jahren hatte man sich auch nicht vorstellen können, was das Telefon in der Tasche kann. Mit dem Internet der Dinge werden es Landmaschinen, riesige Sensorennetzwerke und KIs sein, die uns neue Betrachtungen und Entscheidungen erlauben. In der Schweiz optimieren wir z.B. die Elektroladestationen, das autonome Fahren in der Stadt, das automatische Einparken im Parkhaus usw. Daran wird auch schon gearbeitet, dass es reibungslos funktioniert.“

Für Markus Baldinger (Mitglied Geschäftsleitung bei Pöttinger Landmaschinen) steht fest, dass gerade im Bereich der Landwirtschaft enorme Veränderungen ins Haus stehen. In Zukunft werden Farm-Managementsysteme Landmaschinen einsetzen und steuern. „2030 werden 49 Prozent der Traktoren ohne Fahrer auf den Feldern unterwegs sein. Dazu kommt ein Anteil von 43 Prozent an autonomen Feldrobotern für die Pflege der Pflanzen. Autonome Maschinen am Feld haben den enormen Vorteil, dass sie das oft schmale Zeitfenster bei der Aussaat nützen können und die Ernte ebenfalls optimal einfahren können, da sie 24 Stunden am Tag in Betrieb sind.“

Diskussionsstoff lieferte Robert Bodenstein (Bundesspartenobmann Wirtschaftskammer Österreich) mit seinem „ketzerischen“ (sic!) Vorschlag, überhaupt auf die Versteigerung zu verzichten. „Jeder darf sich ein Frequenzband nehmen, um so eine möglichst rasche Abdeckung zu erreichen. So lief das bei den neuen deutschen Bundesländer, wo nach der Wende die Regularien stark reduziert wurden, um eine möglichst schnelle Netzabdeckung zu generieren.“

Download Präsentation von Markus Baldinger

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